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210.460 (22S) Philosophie und Psychoanalyse

Sommersemester 2022

Anmeldefrist abgelaufen.

Erster Termin der LV
09.03.2022 13:30 - 15:00 N.1.44 On Campus
... keine weiteren Termine bekannt

Überblick

Bedingt durch die COVID-19-Pandemie können kurzfristige Änderungen bei Lehrveranstaltungen und Prüfungen (z.B. Absage von Präsenz-Lehreveranstaltungen und Umstellung auf Online-Prüfungen) erforderlich sein.

Weitere Informationen zum Lehrbetrieb vor Ort finden Sie unter: https://www.aau.at/corona.
Lehrende/r
LV Nummer Südostverbund ETK02001UL
LV-Titel englisch Philosophy and psychoanalysis
LV-Art Proseminar (prüfungsimmanente LV )
LV-Modell Präsenzlehrveranstaltung
Semesterstunde/n 2.0
ECTS-Anrechnungspunkte 4.0
Anmeldungen 29
Organisationseinheit
Unterrichtssprache Deutsch
mögliche Sprache/n der Leistungserbringung Deutsch , Englisch , Französisch , Italienisch
LV-Beginn 09.03.2022
eLearning zum Moodle-Kurs
Anmerkungen

Bitte beachten Sie, dass die beiden Termine, 23.3. und 11.5., um 14h ct im HS 8 stattfinden.

Seniorstudium Liberale Ja

Zeit und Ort

Beachten Sie bitte, dass sich aufgrund von COVID-19-Maßnahmen die derzeit angezeigten Termine noch ändern können.
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LV-Beschreibung

Intendierte Lernergebnisse

Die Absolvent_innen des PS kennen die grundlegenden Begriffe der Psychoanalyse und haben die Fähigkeit, zwischen Philosophie und Psychologie genauer zu unterscheiden; sie sind in der Lage, die philosophischen Dimensionen und Implikationen der Psychoanalyse zu erläutern und die Ethik in der Psychoanalyse sowie die ethischen Dimensionen psychoanalytischer Psychotherapie zu begreifen; sie sollten verstehen, was es heißt, vom guten oder bösen Objekt und seinen Ablegern innerhalb der (charakterlichen und gesellschaftlichen) Affektökonomie zu sprechen. 

Lehrmethodik

Vortrag, Diskussion, Arbeit mit Texten, Gruppenarbeit. Im Laufe des PS werden Aufgaben gestellt, sodass die vorgestellten Zugangsweisen durch eigene Arbeiten reflektiert und besser verstanden werden können. Wer eine Proseminararbeit schreiben möchte, kann das alternativ auch gerne tun (das ist als Vorübung für das Verfassen von Seminararbeiten wichtig); es wir aber von allen Teilnehmer_innen eine Reflexion während des laufenden Proseminars erwartet.

Moodle, das für Texte u.a. genutzt wird

Als Philosophin, die im Denken spricht und im Sprechen denkt, aber auch  aus Philosophie-didaktischen Gründen, arbeite ich nicht mit Power-Point-Präsentationen, die oft eine Illusion der Klarheit vermitteln und den Vorstellungsfluss der Studierenden auf bestimmte ausgewählte Inhalte zu fixieren tendieren. Es ist daher umso wichtiger, dass die Teilnehmer_innen sich zu Wort melden, wenn sie etwas nicht verstehen und auch keine Möglichkeit sehen, ihr Nichtverstehen durch Gespräche in der Gruppe oder durch Lektüren im Selbststudium zu lösen. 

Inhalt/e

Das Proseminar behandelt die philosophischen Grundlagen der Psychoanalyse, also jene zentralen Themen der philosophischen Psychologie, die von der Psychoanalyse aufgegriffen und weiterentwickelt bzw. radikal verändert wurden wie Trieb, Affekt, Leib-Seele-Verhältnis. In diesem Semester werden wir uns vor allem der Ethik (in) der Psychoanalyse widmen. Zuerst erinnere ich summarisch an Freuds konsequenzenreiche Entdeckung des Unbewussten und seine Erkenntnis, dass das Bewusstsein nur die „Spitze des Eisbergs“ (des Seelenlebens) sei.  Die Entdeckungen Freuds und der Psychoanalyse wurden von der Philosophie durchaus aufgenommen und führten zu tiefen Veränderungen in ihr, im  20. Jahrhundert und darüber hinaus. Dabei werden wir uns insbesondere dem Verhältnis und den gegenseitigen Einflüssen zwischen Psychoanalyse und Philosophie in Hinblick auf Fragen der Ethik zuwenden,  aus aktuellem Anlass auch bezogen auf Tod und Krieg. Im Zentrum dieser Auseinandersetzung stehen ethische Prinzipien wie Autonomie / Freiheit vs. Fremdbestimmung, Selbst und Anderer (Fremder), Beziehungsmuster (intra und interpsychisch, auch aus gruppenpsychoanalytischer Perspektive) und Sexualität bzw. kulturelle Sexualmoral. Mit Derridas Freud-Rezeption geht es auch um die ethische Perspektive der Psychoanalyse auf die Grausamkeit. Die Grundbegriffe der Psychoanalyse (Unbewusstes, Vorbewusstes, Ich, Es, Über-Ich, also Instanzen in der 1. und 2. Topik, Triebe, d.h. Eros und Todestrieb, Traumarbeit, Übertragung) werden dieses Semester nicht eingehend wiederholt, sondern nur am Anfang resümierend für das bessere Verständnis. Ich ersuche daher all jene, die damit nicht vertraut sind, sich vorab einzulesen (Texte zum Unbewussten im Moodle-Kurs). Zur Orientierung bei der Auffindung dieser zentralen Begriffe im Werk Sigmund Freuds siehe auch J. Laplanche, Das Vokabular der Psychoanalyse die entsprechenden Artikel)

Folgende Begriffe werden wir im Rahmen unserer Fragestellung eingehender behandeln: Objekt, Repräsentanz, Abwehr, Widerstand

Die Psychoanalyse ist in eine Reihe mit anderen philosophischen Kritiken der Gebote-Moral zu stellen, angefangen bei Kants Ethik (wobei hierzu kurz auf das Aristotelische Erbe eingegangen wird). Die ethische Dimension der Psychoanalyse und ihr Beitrag zur Befreiung der von Sexualmoral und Kontrollzwang unterjochten Subjekte verdeckt allerdings einen anderen Aspekt, den wir philosophisch-ethisch freizulegen vermögen: den Widerstand als Motor und als Spur in die unbewussten Konflikte und Zwänge. Diese Zwänge sind nicht zuletzt in der Dogmatisierung und standespolitischen Behandlung der Ausbildungskandidat_innen am Werk; die ethisch-politische Kritik an der Immunisierung psychoanalytischer Standesvertretung gegen theoretische, didaktische und klinisch-praktische Kritik wird daher auch behandelt; ebenso die ethisch fragwürdige Unterziehung von Patient_innen und ihrer Therapien unter die Logik einer ehrgeizgen, ja voyeuristischen, die Prozesshaftigkeit und Unbestimmbarkeit der Psychotherapie negierenden "Wirkungsforschung". 

 Von Bedeutung für diese LV sind insbesondere die Kritiker_innen der Normopathie wie Alfred Lorenzer, Jacques Lacan und seine strukturalistische Lektüre der Psychoanalyse, neben Jacques Derrida auch Cornelius Castoriadis mit seiner Theorie des gesellschaftlichen Imaginären und der Autonomie als individuelles und kollektives Projekt, sowie Piera Aulagnier mit ihrer bahnbrechenden Theorie des Originären und ihrer standhaften Kritik an den Übergriffen ihres Lehrers und Mentors Lacans in der Ausbildung von Kandidat_innen.

Erwartete Vorkenntnisse

Möglichst die Absolvierung eines Proseminars in Philosophie, aus einer der Kulturwissenschaften (KUWI) oder aus Soziologie (WIWI) 

Curriculare Anmeldevoraussetzungen

Studium der Philosophie (BA, MA oder Doktorat) sowie UF Ethik, sofern Platz vorhanden auch andere Fächer der KUWI

Literatur

In chronologischer Reihenfolge (Auswahl):

S. Freud, "Die 'kulturelle' Sexualmoral und die moderne Nervosität" (1908), "Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung" (1914), "Das Unbewusste" (1915), "Das Ich und das Es" (1923), "Kurzer Abriss der Psychoanalyse" (1923/24), alle in: Gesammelte Werke (GW), Frankfurt 1990, 

J. Lacan, Das Seminar Buch VII. Die Ethik der Psychoanalyse (1959/60), Wien 2016 (L'Ethique de la Psychoanalyse, Paris 1986) 

P. Aulagnier, The Violence of Interpretation. From Pictogramm to Statement, London u.a. 2001 (La violence de l'interprétation. Du pictogramme à l'énoncé, Paris 1975), 

C. Castoriadis: "Epilegomena zu einer Theorie der Seele, die man als Wissenschaft hat ausgeben können", "Die Psychoanalyse als Projekt und Aufklärung", in: Der., Durchs Labyrinth, Frankfurt 1984, Suhrkamp (frz. Original Paris 1978)

Nachschlagwerk zur Psychoanalyse: 

J. Laplanche, J.-B. Pontalis, Das Vokabular der Psychoanalyse, Frankfurt/M. 1973 (frz. Orig. Paris 1967)

Allgemein zu wissenschaftlichem Arbeiten:

U. Eco, Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit verfasst, Facultas/UTB 14. Auflage, Wien 2020


Weitere Literatur im Moodle-Kurs

Prüfungsinformationen

Im Fall von online durchgeführten Prüfungen sind die Standards zu beachten, die die technischen Geräte der Studierenden erfüllen müssen, um an diesen Prüfungen teilnehmen zu können.

Prüfungsmethode/n

Es gibt keine Prüfung, das Proseminar ist eine prüfungsimmanente LV, d.h. es werden Arbeiten im Laufe des Semesters erbracht (Übungen, Aufgabenstellugnen, Mitarbeit); wer eine Proseminararbeit schreiben möchte, der_dem empfehle ich, mir vorab ein Konzept zu schicken (vor allem, wenn es sich um die erste wissenschaftliche Arbeit handelt). Jenen, die sich mit dem Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten oder mit Deutsch Schwierigkeiten haben, empfehle ich die Inskription in einem Kurs des Schreibcenters.

Prüfungsinhalt/e

Siehe oben

Beurteilungskriterien/-maßstäbe

Verständnis, Fähigkeit die in der LV bearbeiteten Begriffe zu bearbeiten, zu diskutieren und miteinander zu verknüpfen  

Beurteilungsschema

mit/ohne Erfolg teilgenommen Benotungsschema

Position im Curriculum

  • Bachelor-Lehramtsstudium Bachelor Unterrichtsfach Ethik (SKZ: 439, Version: 21W.1)
    • Fach: Medizin- und Gesundheitsethik (Wahlfach)
      • ETK.002 Aktuelle Herausforderungen der Medizin- und Gesundheitsethik ( 2.0h SE / 3.0 ECTS)
        • 210.460 Philosophie und Psychoanalyse (2.0h PS / 4.0 ECTS)
          Absolvierung im 5., 6., 7., 8. Semester empfohlen
  • Bachelorstudium Philosophie (SKZ: 541, Version: 20W.1)
    • Fach: Theoretische Philosophie (Wahlfach)
      • 3.2 PS aus Theoretische Philosophie ( 0.0h PS / 4.0 ECTS)
        • 210.460 Philosophie und Psychoanalyse (2.0h PS / 4.0 ECTS)
          Absolvierung im 1., 2., 3., 4., 5. Semester empfohlen
  • Bachelorstudium Philosophie (SKZ: 541, Version: 20W.1)
    • Fach: Theoretische Philosophie (Wahlfach)
      • 3.4 VO/PS/SE Theoretische Philosophie ( 0.0h VO, PS, SE / 20.0 ECTS)
        • 210.460 Philosophie und Psychoanalyse (2.0h PS / 4.0 ECTS)
          Absolvierung im 1., 2., 3., 4., 5. Semester empfohlen
  • Bachelorstudium Philosophie (SKZ: 541, Version: 20W.1)
    • Fach: Thematische Vertiefung (Wahlfach)
      • VO/PS/SE aus Geschichte der Philosophie/ Theoretische Philosophie/ Praktische Philosophie ( 0.0h VO, PS, SE / 12.0 ECTS)
        • 210.460 Philosophie und Psychoanalyse (2.0h PS / 4.0 ECTS)
          Absolvierung im 6. Semester empfohlen
  • Bachelorstudium Philosophie (SKZ: 541, Version: 16W.1)
    • Fach: Theoretische Philosophie (Wahlfach)
      • Theoretische Philosophie ( 0.0h VO, PS, SE / 36.0 ECTS)
        • 210.460 Philosophie und Psychoanalyse (2.0h PS / 4.0 ECTS)
          Absolvierung im 1., 2., 3., 4., 5., 6. Semester empfohlen
  • Masterstudium Philosophie (SKZ: 941, Version: 10W.1)
    • Fach: Theoretische Philosophie und ihre Geschichte (Wahlfach)
      • Theoretische Philosophie und ihre Geschichte ( 0.0h XX / 24.0 ECTS)
        • 210.460 Philosophie und Psychoanalyse (2.0h PS / 4.0 ECTS)

Gleichwertige Lehrveranstaltungen im Sinne der Prüfungsantrittszählung

Sommersemester 2021
  • 210.440 PS Philosophie und Psychoanalyse (2.0h / 4.0ECTS)