210.456 (21W) Physis und Techne. Zum Verhältnis von Natürlichem und Künstlichem

Wintersemester 2021/22

Ende der Anmeldefrist
31.10.2021 23:59

Erster Termin der LV
06.10.2021 16:00 - 18:00 N.1.71 On Campus
Nächster Termin:
27.10.2021 16:00 - 18:00 N.1.71 On Campus

Überblick

Bedingt durch die COVID-19-Pandemie können kurzfristige Änderungen bei Lehrveranstaltungen und Prüfungen (z.B. Absage von Präsenz-Lehreveranstaltungen und Umstellung auf Online-Prüfungen) erforderlich sein.

Weitere Informationen zum Lehrbetrieb vor Ort finden Sie unter: https://www.aau.at/corona.
Lehrende/r
Tutor/in/Innen
LV-Titel englisch
Physis and Techne. The Relation of Artifical and Natural.
LV-Art
Vorlesung
LV-Modell
Präsenzlehrveranstaltung (Online-Option )
Semesterstunde/n
2.0
ECTS-Anrechnungspunkte
4.0
Anmeldungen
26
Organisationseinheit
Unterrichtssprache
Deutsch
LV-Beginn
06.10.2021
eLearning
zum Moodle-Kurs

Zeit und Ort

Beachten Sie bitte, dass sich aufgrund von COVID-19-Maßnahmen die derzeit angezeigten Termine noch ändern können.
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LV-Beschreibung

Intendierte Lernergebnisse

Fähigkeit die gehörten Argumente, Thesen, Positionen und Begriffe kritische reflektieren zu können.

Lehrmethodik

Vortrag, Diskussion.

Inhalt/e

Die ungeahnten Manipulationsmöglichkeiten der modernen Biotechnologie werfen die alte Frage nach dem Verhältnis von Natur und Mensch, bzw. von Natürlichem und Künstlichem in völlig neuer Form auf. In einem Zeitalter in dem es immer mehr den Anschein hat, als sei der Mensch in der nicht nur in der Lage seine äußere Natur seinem Willen zu unterwerfen, sondern auch seine innere Natur nach Belieben zu gestalten, d.h. sich selbst als Gattungswesen technisch herzustellen, stellt sich die Frage was die wesentlich relationalen, d.h. in ihrer Bedeutung von einander abhängigen, Begriffe Natur und Technik meinen, wenn nicht mehr klar ist worin sich Gewachsenes von Gemachtem unterscheidet.

Im Verlauf der Behandlung dieser Frage und damit zusammenhängender Probleme – von der Notwendigkeit der vorgängigen Zusammenstellung eines brauchbaren begrifflichen Werkzeugkastens, über die Behandlung ausgewählter Fallbeispiele aus dem Bereich angewandter Genetik (Synthetische Biologie und Gentest), bis hin zur Frage nach dem ethisch angemessenen Umgang mit den unheimlichen Möglichkeiten moderner Biotechnologie – sollen weitere Probleme erörtert werden: Natürliches und Künstliches, Natur und Mensch stehen einander nicht unvermittelt und unvermittelbar gegenüber, wie es Prinzipiendualismen, von einem bestimmten Aristotelismus, über die spätantiken Gnosis bis hin zum neuzeitlichen Kartesianismus, trotz der aporetischen Konsequenzen die er mit sich bringt, immer wieder vertreten haben, sondern lassen sich angemessener als Momente einer einheitlichen Geschehens beschreiben.

Wir werden sehen, dass die auf eine bestimmte Deutung des Aristoteles zurückgehende dichotomische Gegenüberstellung von physis und techne, zur kontraintutiven Konsequenz führt phänomenal nicht unterscheidbare Erscheinungen allein aufgrund ihrer unterschiedlichen Genese für wesentlich unterschieden zu halten, sondern auch, dass die moderne Gegenüberstellung von Mensch und Natur und die damit einhergehende Vergegenständlichung des Seienden im Ganzen nicht nur auf den Menschen selbst zurückschlägt, worauf nicht nur Adorno sondern auch Heidegger aufmerksam machen, sondern nach Hans Jonas letztlich in einem negativen Nihilismus endet.

Dem gegenüber möchte ich vorschlagen die Wirklichkeit als zusammenhängendes Geschehen des verbal gedachten Seins, verstanden als Vollzug des damit in ständigem Werden begriffenen Seienden zu deuten. Die Hauptanleihen nimmt meine Interpretation dabei bei Aristoteles, Hans Jonas, der Leibphänomenologie und Martin Heidegger. Zunächst in Anlehnung an das auf Aristoteles zurückgehende Konzept einer catena naturae, einer great chain of beings -- d.h. der Annahme, dass das Seiende im Ganzen, vom Unbelebten (Unbeseelten) über das Lebendige (Beseelte) einschließlich des Menschen, von einem sich durch all diese Erscheinungen durchhaltendes Prinzip der Natur (physis) durchherrscht wird --, dann aber auch in Wiederaufnahme der von Jonas vertretenen Deutung des Darwinismus als endgültige Absage an die „anthropologische Differenz“ zwischen Mensch und Tier, sowie in Anbetracht der Einsicht der Leibphänomenologie in die Einheit von Subjektivität und Objektivität im Leib als Wesensmedium meiner persönlichen Vollzuge und nicht zuletzt unter Berufung auf Heideggers Deutung der ousia (des Seienden im Ganzen) als physis und dieser als „Aufgang“, bzw. „Unverborgenheit“, d.h. als Erscheinen des Erscheinenden (Seienden), möchte ich plausibel machen, dass man den Menschen und seinen Produkte (Artefakte) gerechter wird, d.h. sie besser versteht, wenn man sie der Natur und dem Natürlichen nicht unvermittelt entgegensetzt, sondern als Momente des Natürlichen begreift.

Erwartete Vorkenntnisse

Immer von Nutzen.

Curriculare Anmeldevoraussetzungen

Keine.

Literatur

-       Aristoteles:Physik. Vorlesungen über die Natur. Griechisch-Deutsch. 2 Bde. Übersetzt, miteiner Einleitung und mit Anmerkungen hrsg. von Hans Günter Zekl. Hamburg.Meiner 1988.

-       Bayertz,Kurt: Hat der Mensch eine ‚Natur‘? Und ist sie wertvoll? In: Weiß, Martin G.:Bios und Zoë. Die menschliche Natur im Zeitalter ihrer technischenReproduzierbarkeit. Frankfurt/M. Suhrkamp 2009, 191-219.

-       Compagna,Diego (Hg.): Leben zwischen Natur und Kultur. Zur Neuaushandlung von Natur undKultur in den Technik- und Lebenswissenschaften. Bielefeld. transcript 2015.

-       Dabrock,Peter / Bölker, Michael (Hg.): Was ist Leben – im Zeitalter seiner technischenMachbarkeit? Beiträge zur Ethik der Synthetischen Biologie. Freiburg. Alber 2011.

-       Gloy, Karen: DasVerständnis der Natur I. Die Geschichte des wissenschaftlichen Denkens.München. Beck 1995.

-       Höffe, Otfried (Hg.): Aristoteles-Lexikon. Stuttgart. Kröner 2005.

-       Horkheimer, Max / Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente.Frankfurt/M. Fischer 2001.

-       Weiß,Martin G. (Hg.): Bios und Zoë. Die menschliche Natur im Zeitalter ihrer technischenReproduzierbarkeit. Frankfurt/M. Suhrkamp 2009.

-      Weiß, Martin G.: Das Maß aller Dinge! Wider die Vertierung des Menschen. In: Der Blaue Reiter. Journal für Philosophie 34(2013), 20-25. 

-       Weiß,Martin G.: Künstliches Leben. In: Die Seele im digitalen Zeitalter. Der blaueReiter. Journal für Philosophie 11 (2017), 20-26. 

-       Weiß,Martin G.: Posthumanismus und Menschenwürde. Zu den ethischen Problemen derEnhancement-Debatte. In: Compagna, Diego (Hg.): Leben zwischen Natur undKultur. Zur Neuaushandlung von Natur und Kultur in den Technik- undLebenswissenschaften. Bielefeld. transcript 2015, 123-147.


Prüfungsinformationen

Im Fall von online durchgeführten Prüfungen sind die Standards zu beachten, die die technischen Geräte der Studierenden erfüllen müssen, um an diesen Prüfungen teilnehmen zu können.

Prüfungsmethode/n

Klausur

Prüfungsinhalt/e

Themen der Vorlesung.

Beurteilungskriterien/-maßstäbe

Güte der Klausur.

Beurteilungsschema

Note Benotungsschema

Position im Curriculum

  • Bachelorstudium Philosophie (SKZ: 541, Version: 20W.1)
    • Fach: Theoretische Philosophie (Wahlfach)
      • 3.1 VO aus Theoretische Philosophie ( 0.0h VO / 4.0 ECTS)
        • 210.456 Physis und Techne. Zum Verhältnis von Natürlichem und Künstlichem (2.0h VO / 4.0 ECTS)
          Absolvierung im 1., 2., 3., 4., 5. Semester empfohlen
  • Bachelorstudium Philosophie (SKZ: 541, Version: 20W.1)
    • Fach: Theoretische Philosophie (Wahlfach)
      • 3.4 VO/PS/SE Theoretische Philosophie ( 0.0h VO, PS, SE / 20.0 ECTS)
        • 210.456 Physis und Techne. Zum Verhältnis von Natürlichem und Künstlichem (2.0h VO / 4.0 ECTS)
          Absolvierung im 1., 2., 3., 4., 5. Semester empfohlen
  • Bachelorstudium Philosophie (SKZ: 541, Version: 20W.1)
    • Fach: Thematische Vertiefung (Wahlfach)
      • VO/PS/SE aus Geschichte der Philosophie/ Theoretische Philosophie/ Praktische Philosophie ( 0.0h VO, PS, SE / 12.0 ECTS)
        • 210.456 Physis und Techne. Zum Verhältnis von Natürlichem und Künstlichem (2.0h VO / 4.0 ECTS)
          Absolvierung im 6. Semester empfohlen
  • Bachelorstudium Philosophie (SKZ: 541, Version: 16W.1)
    • Fach: Theoretische Philosophie (Wahlfach)
      • Theoretische Philosophie ( 0.0h VO, PS, SE / 36.0 ECTS)
        • 210.456 Physis und Techne. Zum Verhältnis von Natürlichem und Künstlichem (2.0h VO / 4.0 ECTS)
          Absolvierung im 1., 2., 3., 4., 5., 6. Semester empfohlen
  • Masterstudium Philosophie (SKZ: 941, Version: 10W.1)
    • Fach: Theoretische Philosophie und ihre Geschichte (Wahlfach)
      • Theoretische Philosophie und ihre Geschichte ( 0.0h XX / 24.0 ECTS)
        • 210.456 Physis und Techne. Zum Verhältnis von Natürlichem und Künstlichem (2.0h VO / 4.0 ECTS)
  • Erweiterungscurriculum Philosophie (Version: 16W.1)
    • Fach: Philosophie (Pflichtfach)
      • LV aus dem Fach Theoretische Philosophie ( 0.0h VO,UE,PS / 4.0 ECTS)
        • 210.456 Physis und Techne. Zum Verhältnis von Natürlichem und Künstlichem (2.0h VO / 4.0 ECTS)

Gleichwertige Lehrveranstaltungen im Sinne der Prüfungsantrittszählung

Es liegt keine gleichwertige Lehrveranstaltung im Sinne der Prüfungsantrittszählung vor.