210.568 (21S) Die Idee des Bösen. Eine philosophische Auseinandersetzung

Sommersemester 2021

Anmeldefrist abgelaufen.

Erster Termin der LV
04.03.2021 14:00 - 16:00 online Off Campus
... keine weiteren Termine bekannt

Überblick

Bedingt durch die COVID-19-Pandemie können kurzfristige Änderungen bei Lehrveranstaltungen und Prüfungen (z.B. Absage von Präsenz-Lehreveranstaltungen und Umstellung auf Online-Prüfungen) erforderlich sein.

Weitere Informationen zum Lehrbetrieb vor Ort finden Sie unter: https://www.aau.at/corona.
Lehrende/r
LV-Titel englisch
The idea of evil
LV-Art
Vorlesung
LV-Modell
Präsenzlehrveranstaltung (Online-Option )
Semesterstunde/n
2.0
ECTS-Anrechnungspunkte
4.0
Anmeldungen
73
Organisationseinheit
Unterrichtssprache
Deutsch
mögliche Sprache/n der Leistungserbringung
Englisch , Französisch
LV-Beginn
04.03.2021
eLearning
zum Moodle-Kurs
Anmerkungen

Momentan (Mitte Dezember 2020) ist nicht abschätzbar, ob und inwieweit im Sommersemester Präsenzlehre möglich sein wird. Die Vorlesung ist vorderhand als Präsenzlehrveranstaltung geplant, über allfällige Änderungen in Richtung online-Lehre informiere ich selbstverständlich laufend, entsprechend meinem jeweiligen Kenntnisstand. 

Seniorstudium Liberale
Ja

Zeit und Ort

Beachten Sie bitte, dass sich aufgrund von COVID-19-Maßnahmen die derzeit angezeigten Termine noch ändern können.
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LV-Beschreibung

Intendierte Lernergebnisse

Erarbeitung eines differenzierten und kritisch-reflexiven, mithin: philosophischen Zugangs zu den Themenkreisen Moral und/oder Ethik, philosophische Moral bzw. Ethik und Gerechtigkeit versus religiöse Morallehren, moralische Kategorien wie gut und böse aus philosophischer Perspektive und in ideengeschichtlicher Dimension; methodisch-systematische Erschließung der relevanten Fragestellungen anhand konkreter Texte mittels philologisch-kritischer, begriffskritischer und begriffsgeschichtlicher Verfahren. 

Lehrmethodik

Vortrag, Filmausschnitte, Diskussionen, schriftliche Prüfungen. Ein Reader mit für die VO wichtigen Texten bzw. Textauszügen wird aller Voraussicht nach ab Beginn der LV online zur Verfügung stehen und laufend ergänzt.

Inhalt/e

Aus religiösen Bereichen adaptiert, hat die Unterscheidung zwischen gut und böse auch in die Sphäre philosophischer Moral bzw. Ethik Einzug gehalten, namentlich mit Immanuel Kants Rede von einem radikal Bösen. In ihrer Auseinandersetzung mit Adolf Eichmann griff Hannah Arendt auf diese Terminologie zurück und brachte sie in Zusammenhang mit jener der Banalität. Zugleich suchte Arendt das Konzept des radikal Bösen zu modifizieren im Sinne eines „Bösen“, „das nicht hätte passieren dürfen, d. h. das, womit man sich nicht versöhnen kann, was man als Schickung unter keinen Umständen akzeptieren kann, und das, woran man auch nicht schweigend vorübergehen darf“ (vgl. Arendt 2002, 7).

Im Rahmen anderer Ansätze wurde versucht, das herkömmliche Begriffsverständnis von gut und böse radikal neu zu denken, gewissermaßen die Vorzeichen umzukehren, namentlich Nietzsche oder vor ihm schon de Sade. Gänzlich unterschiedliche Autoren wie Sigmund Freud oder Konrad Lorenz versuchten Neudeutung unter Distanzierung moralisch-ethischer Implikationen. Gleichwohl hat das alte Kontrastpaar gut/böse mit seinen impliziten moralisch-ethischen in neuere politische Theoriebildung und die Bildung von Feindbildkonzepten ebenso Einzug gehalten wie in psychologische Ansätze zur Definition eines so komplexen und ambivalenten Konzepts wie jener der Persönlichkeit. Gerade in diesen Zusammenhängen wird zumindest teilweise überdeutlich, warum wir nach vor fast immer von anderen sprechen, wenn wir das Adjektiv böse auf Menschen applizieren oder gar von dem Bösen sprechen. 

Gleichwohl lässt sich möglicherweise mit Susan Neiman sagen, dass „[d]as Problem des Bösen“ nachgerade „die treibende Kraft des modernen Denkens“ sei (vgl. Neiman 2006, 24). So bleibt die Frage, wie eine solche Begrifflichkeit  weiterhelfen kann, menschliches Verhalten einer adäquaten (philosophischen, nicht religiösen) ethisch-moralischen Einschätzung zu unterziehen oder ob es aus philosophischer Perspektive besser wäre, die Rede vom Bösen überhaupt aufzugeben.

Erwartete Vorkenntnisse

Keine

Literatur

Arendt, Hannah: Denktagebuch 1950–1973. Hg. Ursula Ludz und Ingeborg Nordmann in Zusammenarbeit mit dem Hannah-Arendt-Institut Dresden. Band 1 (München/Zürich 2002).

Arendt, Hannah: Über das Böse. Eine Vorlesung zu Fragen der Ethik. Hg. v. Jerome Kohn, übers. v. Ursula Ludz (5. Aufl. München/Zürich 2012).

Arendt, Hannah: Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen. Ungekürzte Taschenbuchausgabe. Mit einem einleitenden Essay und einem Nachwort zur aktuellen Ausgabe v. Hans Mommsen (7. Aufl. München 2013).

Blom, Philipp: Böse Philosophen. Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung (5. Aufl. München 2017).

Donhauser, Gerhard: Angst und Schrecken. Beobachtungen auf dem Weg vom Ausnahmezustand zum Polizeistaat in Europa und den USA (Wien 2015).

Donhauser, Gerhard: Das Böse bleibt. Philosophische Bewältigungsversuche einer un-heimlichen Erbschaft (Wien 2021; in Vorbereitung).

Donhauser, Gerhard: Das kälteste aller kalten Ungeheuer. Vom Staat und seinen Krisen (Wien 2019).

Kant, Immanuel: Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, in: Kant, Immanuel: Die Metaphysik der Sitten (= Kant, Immanuel: Werkausgabe, Bd. VIII; hg. v. Wilhelm Weischedel. 11. Aufl. Frankfurt am Main 1997) 645 – 879.

Liessmann, Konrad Paul: Philosophie des verbotenen Wissens. Friedrich Nietzsche und die schwarzen Seiten des Denkens (Wien 2006).

Lorenz, Konrad: Das sogenannte Böse. Zur Naturgeschichte der Aggression (13. Aufl. München 1987).

Neiman, Susan: Das Böse denken. Eine andere Geschichte der Philosophie. Aus dem Amerikanischen v. Christiana Goldmann (Frankfurt am Main 2006).

Nietzsche, Friedrich: Jenseits von Gut und Böse, in: Nietzsche, Friedrich: Jenseits von Gut und Böse. Zur Genealogie der Moral (= Nietzsche, Friedrich: Kritische Studienausgabe, Bd. 5. Hg. v. Giorgio Colli u. Mazzino Montinari. 3. Aufl. München/Berlin/New York 1993) 9 –243.

Nietzsche, Friedrich: Zur Genealogie der Moral, in: Nietzsche, Friedrich: Jenseits von Gut und Böse. Zur Genealogie der Moral (= Nietzsche, Friedrich: Kritische Studienausgabe, Bd. 5. Hg. v. Giorgio Colli u. Mazzino Montinari. 3. Aufl. München/Berlin/New York 1993) 245 –412.

Safranski, Rüdiger: Das Böse oder Das Drama der Freiheit (München/Wien 1997).

Schopenhauer, Arthur: Preisschrift über die Grundlage der Moral, nicht gekrönt von der Königlich Dänischen Societät der Wissenschaften zu Kopenhagen, am 30. Januar 1840, in: Schopenhauer, Arthur: Kleinere Schriften (= Arthur Schopenhauers Werke in fünf Bänden, nach den Ausgaben letzter Hand hg. v. Ludger Lütkehaus, Bd. III; Zürich 1988) 459 – 632.

Shaw, Julia: Böse. Die Psychologie unserer Abgründe. Aus dem Englischen v. Claudia van den Block und Ursula Pesch (München 2018).

Stangneth, Bettina: Böses Denken (Reinbek 2016).

Stangneth, Bettina: Eichmann vor Jerusalem. Das unbehelligte Leben eines Massenmörders (Zürich 2011).

 

Prüfungsinformationen

Prüfungsmethode/n

  • Mündliche Prüfung (primäre Prüfungsmethode).
    Konkret: 4 Fragen, Thesen, Zitate, von denen 2 ausgewählt und beantwortet werden sollen.
    Keine Ja-Nein-Fragen und auch keine reine Reproduktion von „Faktenwissen“.
    4-5 Prüfungstermine, bedarfsorientiert.
    Voraussichtlich werden, selbst wenn die Präsenzlehre im WS 20/21 weiter ausgesetzt sein, schriftliche Prüfungen an der Universität möglich sein. Falls nicht, besteht gegebenenfalls zweifellos die Möglichkeit, die Prüfung mündlich abzuhalten.
  • Kleinere schriftliche Arbeiten als Alternative zur schriftlichen Prüfung. In diesem Fall wären 3 Texte schriftlich zu erörtern und die entsprechenden Abhandlungen (jeweils 2-4 Seiten)  allerspätestens bis Semesterende an mich zu übermitteln. 
  • Mitarbeit bzw. wiederholte Diskussionsteilnahme während der VO ist ausdrücklich erwünscht und kann – ausschließlich in positivem Sinne – in die Note einfließen. 

Prüfungsinhalt/e

Themenbereiche der Vorlesung.

Beurteilungskriterien/-maßstäbe

Erbeten sind Ausführungen (in Form vollständiger Sätze), die ein gewisses Maß an kritischer Auseinandersetzung mit den gewählten Themen erkennen lassen. Die Fragen werden weit genug formuliert sein, um ganz unterschiedliche Zugänge zu ermöglichen. Die Ausführungen können wahlweise auf Deutsch oder Englisch, gerne auch auf Französisch erfolgen. Den Reader können Sie gerne zur Prüfung mitnehmen.

Zeitrahmen für die Prüfungen: jeweils 90 Minuten.

Beurteilungsschema

Note Benotungsschema

Position im Curriculum

  • Bachelorstudium Philosophie (SKZ: 541, Version: 20W.1)
    • Fach: Praktische Philosophie (Wahlfach)
      • 4.1 VO aus Praktische Philosophie ( 0.0h VO / 4.0 ECTS)
        • 210.568 Die Idee des Bösen. Eine philosophische Auseinandersetzung (2.0h VO / 4.0 ECTS)
          Absolvierung im 1., 2., 3., 4., 5. Semester empfohlen
  • Bachelorstudium Philosophie (SKZ: 541, Version: 20W.1)
    • Fach: Thematische Vertiefung (Wahlfach)
      • VO/PS/SE aus Geschichte der Philosophie/ Theoretische Philosophie/ Praktische Philosophie ( 0.0h VO, PS, SE / 12.0 ECTS)
        • 210.568 Die Idee des Bösen. Eine philosophische Auseinandersetzung (2.0h VO / 4.0 ECTS)
          Absolvierung im 6. Semester empfohlen
  • Bachelorstudium Philosophie (SKZ: 541, Version: 16W.1)
    • Fach: Praktische Philosophie (Wahlfach)
      • Praktische Philosophie ( 0.0h VO, PS, SE / 36.0 ECTS)
        • 210.568 Die Idee des Bösen. Eine philosophische Auseinandersetzung (2.0h VO / 4.0 ECTS)
          Absolvierung im 1., 2., 3., 4., 5., 6. Semester empfohlen
  • Bachelorstudium Philosophie (SKZ: 541, Version: 10W.2)
    • Fach: Praktische Philosophie (Wahlfach)
      • Praktische Philosophie ( 0.0h XX / 36.0 ECTS)
        • 210.568 Die Idee des Bösen. Eine philosophische Auseinandersetzung (2.0h VO / 4.0 ECTS)
  • Masterstudium Philosophie (SKZ: 941, Version: 10W.1)
    • Fach: Praktische Philosophie und ihre Geschichte (Wahlfach)
      • Praktische Philosophie und ihre Geschichte ( 0.0h XX / 24.0 ECTS)
        • 210.568 Die Idee des Bösen. Eine philosophische Auseinandersetzung (2.0h VO / 4.0 ECTS)
  • Erweiterungscurriculum Philosophie (Version: 16W.1)
    • Fach: Philosophie (Pflichtfach)
      • LV aus dem Fach Praktische Philosophie ( 0.0h VO,UE,PS / 4.0 ECTS)
        • 210.568 Die Idee des Bösen. Eine philosophische Auseinandersetzung (2.0h VO / 4.0 ECTS)
  • Erweiterungscurriculum Ethik (Version: 16W.1)
    • Fach: Theoretische Ethik (Pflichtfach)
      • Theoretische Ethik ( 0.0h VO / 4.0 ECTS)
        • 210.568 Die Idee des Bösen. Eine philosophische Auseinandersetzung (2.0h VO / 4.0 ECTS)
  • Erweiterungscurriculum Ethik (Version: 16W.1)
    • Fach: Praktische Ethik (Pflichtfach)
      • Praktische Ethik ( 0.0h VO / 4.0 ECTS)
        • 210.568 Die Idee des Bösen. Eine philosophische Auseinandersetzung (2.0h VO / 4.0 ECTS)

Gleichwertige Lehrveranstaltungen im Sinne der Prüfungsantrittszählung

Diese Lehrveranstaltung ist keiner Kette zugeordnet